Frühjahrsputz im Syratal - Grüne wollen ein Naturschutzgebiet

Sonntag, 18. April 2010

Es ist noch sehr frisch im Syratal, die massenhaft vorkommenden weißen Blüten der Buschwindröschen in der von großen Erlen bestandenen Aue dieses kleinen städtischen Baches haben die Null Grad der letzten Nacht noch nicht ganz überwunden. Die Stadtratsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen ist dem Ruf des Plauener Oberbürgermeisters gefolgt und trifft sich Samstag früh im Syratal, um es vom Wintermüll zu befreien. Die gesamte Fraktion und alle sachkundigen Bürger ist gekommen, Vorständler, zahlreiche weitere Mitglieder und Freunde. Der Jüngste ist gerade mal ein Jahr alt und lässt sich noch von Papa Danny Przisambor, Vorsitzender des Kreisverbandes, tragen.

Es soll nicht nur über Umweltschutz geredet, sondern aktiv etwas dafür werden. Auf geht es. Bereits die ersten Meter offenbaren unfassbares: Unmengen von Glasflaschen, ganz und zerborsten, Plastiktüten, Plastikbecher, Hausrat, ein großer Teppich, zwei Gartenschläuche, Teile von Automobilien und Motorrädern, ein Stück Bahnschiene, Bleche, Arzneimittelfläschchen und noch mehr Plastiktüten. Berge davon scheinen im Syratal zu liegen. Es ist nicht zu glauben, was die Leute so alles "verloren" haben. Spaziergänger mit und ohne Hunde gehen vorbei, Jogger schauen irritiert, was da Merkwürdiges links und rechts des Weges vor sich geht. In einer Kleingartenanlage im Talgrund schauen die gartennutzer auch etwas verdutzt, was sich da um sie herum tut. Die blauen Säcke, welche die Abfallentsorgung Bereit gestellt hat, füllen sich mehr und mehr.

Wer abseits der Wege den Talgrund absucht, findet die Natur wie sie sein soll: Wildschweine haben offenbar im weichen Waldboden gewühlt, Rehe ihre Spuren hinterlassen. Sumpfdotterblumen säumen die kleinen Seitenbäche. Wenn die erstmal Bäume dichtes Laub tragen, ist es für diese schöne Pflanze zu spät. Sie ziehen sich dann auf ihre im Erdboden liegende Zwiebel zurück und harren erneut bis zum nächsten Frühjahr aus. Aber jetzt ist ihre Zeit. Wo es lichter ist, spitzen schon die ersten Triebe der Staude Mädesüß aus dem Boden. Sie werden im Sommer das Tal mit ihrem Duft prägen.

Die Fraktion hat den Standort bewusst gewählt. Das Syratal ist zwar Bestandteil des gleichnamigen Landschaftsschutzgebietes (LSG), welches auch den Bärenstein und den Stadtpark bis hin zur Gemarkungsgrenze von Kauschwitz umfasst. Es ist das wichtigste Naherholungsgebiet, was tief in die Innenstadt von Plauen reicht. Das ist den Bündnisgrünen aber zu wenig. "Wir wollen, dass das Syratal in seinem naturschutzfachlich wertvollsten Teil, dem Talboden, den Schutzstatus eines Naturschutzgebietes (NSG) erhält", drückt es Stadtrat Dieter Rappenhöner aus, der die Veranstaltung leitet. "Der im Dezember ausgelegte Entwurf des Flächennutzungsplanes sieht eine Ausweisung als NSG nicht prioritär vor. Das wollen wir ändern und hoffen, dass uns andere Fraktionen dabei unterstützen." Der Talgrund besteht aus einem Auwald, der reich an seltenen "Frühlingsgeophyten", eben dem Buschwindröschen ist. Mädesüßfluren, binsenreiche Offenlandflächen kommen reichlich und mosaikartig verteilt vor. "Hier sieht es so aus, wie es natürlicherweise in einem solchen Auwald aussehen soll. Hier ist die Natur noch in Ordnung", so Rappenhöner weiter. "Diese zumeist gesetzlich besonders geschützten Biotopflächen sind weit größer als zehn Hektar und damit deutlich über der Schwelle von fünf Hektar, die gewöhnlich für ein Flächennaturdenkmal reichen. Aber das Syratal ist auch bedroht. Vielleicht weniger durch den achtlosen Umgang seiner Besucher mit Müll, mehr aber durch die sogenannte Panzerstraße, die in den vergangenen Jahren den Stadtrat spaltete. Inzwischen ist die "Straße" aufgrund eines Stadtratsbeschlusses als solche entwidmet worden, sie kann aber jederzeit wieder als Havariestraße und Ausweichstrecke "zum Leben erweckt werden". Sollte es dabei zu einem Unfall im Talgrund kommen, dann wird es schwer werden, Wasser gefährdende Stoffe wieder aus dem Bachgrund heraus zu bekommen."

Es ist inzwischen Mittag geworden, die Sonne scheint kräftig und die Buschwindröschen stehen jetzt voll in Blüte. Es scheint, als wenn die Natur Gas geben will, um den langen Winter vergessen zu machen. Sogar die ersten Hummeln haben sich aufgemacht. Befreit vom Müll ist es Frühling im Syratal geworden. Die Grünen haben fast eine Tonne an Müll aus dem Talgrund heraus geschafft. Die Abfallentsorgung wird am folgenden Montag den Berg entsorgen. Dann hoffen die Grünen, dass die Menschen, die das Tal ganzjährig als Erholungsflächen nutzen, und die Tiere und Pflanzen, die hier leben, ein sorgenfreies Jahr vor sich haben.