Grüne nominieren Oliver Bittmann

Sonntag, 26. März 2017

 

Der 53-jährige Oliver Bittmann stammt aus Bayern, lebt und arbeitet aber bereits seit 1993 als Rechtsanwalt in Plauen. Donnerstagabend ist er von den vogtländischen Bündnisgrünen mit 93,7 Prozent der Stimmen zum Direktkandidaten für den Bundestagswahlkreis Vogtland bestimmt worden. "Ein schlechteres Ergebnis als bei Erich Honecker", scherzte Steffen Kollwitz nach Bekanntgabe des Votums. Und der Gewählte? "Ich bin wirklich gerührt", sagte er.

Bittmann ist Fachanwalt für Arbeits- und Verwaltungsrecht sowie für Strafrecht. Der Direktbewerber ist verheiratet und hat vier Kinder. Zu dieser Kandidatur sei er gekommen "wie die Jungfrau zum Kind". Er sei von der Partei angesprochen worden, berichtete er in der Mitgliederversammlung im Lokal "Irish Corner" an der Rathausstraße.

Wegen der Diäten als Bundestagsabgeordneter trete er nicht an, versicherte Bittmann. Der Grund für seine Zusage sei der mittlerweile fehlende gesellschaftliche Konsens darüber, dass man in einer Demokratie lebt und in die Europäische Union eingebunden bleibe. Dieser Konsens sei bisher immer vorhanden gewesen. "Der fehlt jetzt", sagte der Jurist. Manche Leute seien voller Hass, und er höre immer wieder den Satz: "Ich habe ja nichts gegen Flüchtlinge, aber ...".

Man müsse sich um jenen Bevölkerungsteil kümmern, "der nicht zu unserer Wählerschaft gehört, weil er nicht wählen darf", erklärte der Kandidat. Das seien eben die Flüchtlinge. Sätze wie "Die Flüchtlinge sind alle Verbrecher", erinnerten an die Zeit vor 1945.

Bittmann sieht in seinen Ansichten eine Schnittmenge mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, "aber nicht mit der CDU", betonte der Plauener, und erst recht nicht mit der CSU. Windkraft sei derzeit "alternativlos" für ihn, beantwortete er eine Frage von Kreisrat Thomas Hohl. Auf die Schere zwischen Arm und Reich angesprochen, nannte Bittmann die Vermögenssteuer als eine mögliche Maßnahme, um dagegen etwas zu tun. Ein bedingungsloses Grundeinkommen halte er nicht für die schlechteste Idee.

Die Parteimitglieder stimmten am Donnerstagabend auch dafür, dass Bittmann einen Platz auf der Landesliste bekommt. Er wolle versuchen, einen der vorderen Ränge zu erhalten, versicherte der Rechtsanwalt. "Das Direktmandat im Vogtland zu gewinnen, ist aber illusorisch", sagte Stadt- und Kreisrat Dieter Rappenhöner. Der Direktkandidat der Grünen habe vor allem die Aufgabe, mit seinem Wahlkampf möglichst viele Stimmen für die Partei zu werben.

Freie Presse, 04.02.2017