Fernverkehrsanbindung des Vogtlandes steht immer noch in den Sternen
Freitag, 29. Juli 2011
Die Bündnisgrünen sehen den Vogtlandkreis ein Jahr nach dem "sächsischen Bahngipfel" noch immer auf dem Abstellgleis. Am 28. Juli 2010 hatten sich die Spitzen von Freistaat und der Deutschen Bahn AG getroffen, um über eine bessere Fernanbindung verschiedener Strecken zu beraten.
Die vogtländischen GRÜNEN vermissen konkrete Ergebnisse, insbesondere auf der Sachsen-Franken-Magistrale zwischen Dresden und Nürnberg, die unter anderem die Kreishauptstadt Plauen mit den anderen Oberzentren attraktiv verbindet. Die Sachsen-Franken-Magistrale ist die wichtigste Ost-West-Verbindung im Landkreis und im Freistaat Sachsen. Die Strecke wird zwar gerade bis Plauen und anschließend bis Hof elektrifiziert, diese Bauphase wird jedoch noch Jahre in Anspruch nehmen und die Weiterfahrt von Fernverkehrszügen nach Nürnberg wird weiterhin mangels Finanzierung nur mit Dieselloks möglich sein. Es fehlt bis heute eine klare Aussage, bis wann der Rest der Strecke unter Strom steht.
Die vogtländischen GRÜNEN wünschen sich einen höheren Standard in den Zügen. Vor alle defekte Toiletten und fehlende Barrierefreiheit werden von Reisenden auf der Strecke oft beklagt. Neben den Regionalbahnen mit Halt an allen Unterwegsbahnhöfen verkehren Regionalexpress- (RE) und Interregio-Expresszüge (IRE) stündlich auf der Verbindung. Die GRÜNEN verlangen nun von den Bundestagsabgeordneten der Koalition Robert Hochbaum (CDU) und Joachim Günther (FDP) und der Regierung Tillich mehr Tempo und bessere Lobbyarbeit für den Zugverkehr. Kernforderung ist eine durchgängige Elektrifizierung der Sachsen-Franken-Magistrale bis Nürnberg und eine bessere Anbindung des Landkreises an den Fernverkehr der Bahn.
"Die Landesregierung erreicht ihre verkehrspolitischen Ziele nicht, wenn sie sich weiterhin so zurückhaltend gegenüber der Bahn verhält wie bisher", erklärte Dietmar Eichhorn aus Syrau, bahnpolitischer Sprecher der vogtländischen GRÜNEN. Bisher führt die Bahnpolitik des Bundes am Freistaat und Landkreis vorbei. "Ministerpräsident, Wirtschaftsminister und die Bundestagsabgeordneten entlang der Magistrale sollten sich mit dem Bundesverkehrsminister auseinandersetzen und sich zu verstärkten Investitionen in die Elekrifizierung auf der Strecke bekennen. Wir wollen wissen, bis wann der Ausbau der Sachsen-Franken-Magistrale bis Nürnberg abgeschlossen sein soll", so Eichhorn.
Hierbei geht es um Investitionen, die der Bund als Eigentümer der DB AG durchsetzen und mitfinanzieren muss. Da in Berlin, München und Dresden die gleiche Koalition regiert, sollte eine Verständigung möglich sein.
Vor einem Jahr hatte sich die sächsische Staatsregierung mit Bahnchef Rüdiger Grube zu einem "Bahngipfel" getroffen. Die damit verbundenen Erwartungen waren groß. Grube kündigte Milliarden-Investitionen auf verschiedenen Strecken an. Die Grünen stellen fest, dass seitdem zwar erkennbar der Ausbau der Elekrifizierung im Bereich zwischen Reichenbach und Herlasgrün fortgesetzt wurde, man jedoch beim Thema Weiterbau bis Nürnberg nun gar nichts mehr hört. Die Anbindung von Plauen und Reichenbach ans Schienenfernverkehrsnetz steht weiterhin in den Sternen. Schon in den 1990er-Jahren hat der Freistaat tatenlos zugeschaut, wie die Bahn an Sachsen vorbei plant und die Sachsen-Franken-Magistrale vernachlässigte", stellt der GRÜNEN-Verkehrsexperte fest. Ergebnis davon ist die völlige Abbindung der Sachsen-Franken-Magistrale und damit des südwestsächsischen Raums vom IC- und ICE-Fernverkehr seit der Einstellung des Intercity im Dezember 2006.
Gleiches trifft für die Anbindung an Leipzig, den wichtigsten mitteldeutschen Bahn- und Luftverkehrsknoten zu. Die früher durchgängig verkehrenden Regionalexpresszüge sind seit dem Fahrplanwechsel vom 12.06.2011 zwischen Altenburg und Leipzig nunmehr als S-Bahnen mit Halt an allen Unterwegstationen eingesetzt. Damit verlängern sich die Fahrzeiten um rund 12 Minuten und es wurden Anschlüsse nach und von weiterführenden Verbindungen in Leipzig Hbf – z.B. zum Flughafen Halle-Leipzig, von und nach Cottbus u. a. – aufgegeben. Nunmehr müssen längere Fahrzeiten in Kauf genommen werden.
Die GRÜNEN im Landkreis fordern daher von den Bundestagsabgeordneten der Koalition und der CDU/FDP-Regierung in Dresden mehr Tatendrang ein. "Es wäre schön, wenn die Herren Hochbaum und Günther sich einmal für den Bahnverkehr im Vogtland einsetzen würden. Sie hätten sie die Chance, sich für eine gute überregionale Anbindung des Vogtlandes einzusetzen."






